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"Rudolf-Hess-Marsch" in Wunsiedel :
Fleissige Dienerinnen

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Andrea Röpke

Der Richterspruch des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe am 14. August diesen Jahres hatte alle Hoffnungen zunichte gemacht, dass die Hess- Gedenkkundgebung in Wunsiedel in diesem Jahr verboten werden würde. Dem Recht auf Versammlungsfreiheit wurde stattgegeben und damit über 3.500 Neonazis Tür und Tor geöffnet. Es wurde der größte rechtsextreme Aufmarsch der letzten Jahre. Wunsiedel und das Grab von Hitler- Stellvertreter Rudolf Hess sind damit endgültig zum braunen Wallfahrtsort in ganz Europa geworden.

Erschreckend dabei ist die Tatsache, dass es sich bei den Teilnehmern aus der Bundesrepublik, Tschechien, Italien, Spanien, Belgien, Niederlande, Österreich, Schweiz, Großbritannien, Schweden und Dänemark fast ausschließlich um Anhänger des nationalen Kameradschaftsspektrums handelte, von der NPD waren nur wenige dem Aufruf gefolgt. Ansonsten hätte man noch weitaus höhere Teilnehmerzahlen befürchten müssen.

Von einem versöhnenden Schulterschluss zwischen "Freien Nationalisten" und der NPD konnte hier keinesfalls die Rede sein. Allerdings waren auch wichtige Funktionäre aus den Reihen der Kameradschaften nicht vor Ort, besonders das Fehlen von Christian Worch, Thomas Wulff und Steffen Hupka verwunderte auch die eigenen Anhänger.

Dafür waren die Frauen in diesem Jahr stärker denn je vertreten. Die emsige Hamburgerin Inge Nottelmann war als Stellvertreterin von Hauptorganisator Jürgen Rieger für die Koordination des rechten Spektakels zuständig und tat dies auch mit gewichtiger Miene.

Mehrere "Skinhead-Gefolgsfrauen" gingen ihr dabei fleißig zur Hand, verkauften Wunsiedel-Shirts mit dem Hess-Logo. Einige ältere Funktionärinnen in Dirndl-Kleidern wurden von glatzköpfigen Kameradschaftsführern artig begrüßt. Frauen in langen schwarzen Röcken und weißen Blusen mit züchtigen Zöpfen trugen große Banner, und auch das Transparent der "Kameradschaft Tor Berlin" durfte von rechten "Mädels" vorgezeigt werden.

Frauen stellten auch einen beträchtlichen Teil der Ordnerschar, diese Begebenheit schien aber eher aus der Not heraus geboren, da die Ordner laut Polizeiauflage nicht vorbestraft sein durften. Eine besondere Ehre kam Daniela Wegener, einer Funktionärin aus dem Umfeld des Borussenchefs "SS-Sigi" Borchardt, zu Gute - sie durfte neben Jürgen Rieger oben auf der Bühne Zitate aus den Briefen von Rudolf Hess verlesen. Klischeegerecht und unkritisch durfte sie dann auch nicht vom eisernen Kampf eines Altnazis berichten, sondern zitierte schüchtern, steif und stockend dessen wirre Ansichten zu "frauenspezifischen Themen" wie nationaler Kindererziehung.

Es gab auffällig viele weibliche Helferinnen in Wunsiedel, sie wuselten im Hintergrund herum, durften Fahnen tragen und Zettelchen verteilen. Aber bei allem weiblichen Fleiß und Ehrgeiz, Wunsiedel war für sie kein emanzipatorischer Durchbruch, denn das freie Wort durften sie auch hier nicht ergreifen.

Die Großveranstaltung startete am Samstagmorgen mit zwei Liedermachern, der eine, Manuel, sang den alten Skrewdriver-Song "Tomorrow belongs to me". Die obligate Grußbotschaft vom inzwischen verstorbenen Hess-Sohn Wolf-Rüdiger wurde von Rieger verlesen und die vielen europäischen Abordnungen schrieen ihre lautstarken Grußworte teilweise in militärischem Ton. Besonders auffallend war die starke Präsenz der italienischen "Veneto Fronte Skinheads", einer Gruppe, die vor allem Neonazi- Musikkonzerte veranstaltet.

Sehr viele der Skinheads rannten mit verklebten Tattoos herum, anscheinend eher eine Vorsichtsmaßnahme der Organisatoren. Laut des Polizeisprechers der Polizeidirektion Hof gab es 67 kurzzeitige Festnahmen, überwiegend wegen des Tragens verfassungsfeindlicher Kennzeichen und des Mitführens von gefährlichen Gegenständen. Eine der interessanteren Demonstrationsauflagen, die die Rechten stundenlang erzürnte, hieß: "Aus dem Aufzug heraus darf nicht fotografiert werden." Die Verärgerung bei Nottelmann und Co. war so groß, dass sie versuchten, die Journalisten mit Akkreditierungszwang einzuschüchtern, aber damit kamen sie nicht durch.

Während des Gedenkmarsches griffen die anwesenden 1.000 Polizisten immer wieder fotografierende Neonazis heraus. Wenig Chance für die "Anti-Antifa", immerhin.

Der Rechte Rand
Der Rechte Rand Nr.84 (September-Oktober/2003)

kt / hagalil.com / 2003-09-23

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